Hypnotherapie zur Schmerzkontrolle

Hypnotherapie – als Technik zur Schmerzkontrolle hocheffektiv

Die Hypnotherapie (Hypnosetherapie) ist eine sehr alte Behandlungsmethode in der Medizin und Psychotherapie. Die Therapie ist ein anerkanntes und bewährtes psychotherapeutisches Verfahren in der Schmerzpsychologie. Das Prinzip der Hypnotherapie ist, den Patient in einen schlafähnlichen Bewusstseinszustand zu versetzen, weil in dieser Situation eine erhöhte Beeinflussbarkeit (Suggestibilität) gegeben ist, die dann verbal therapeutisch ausgenutzt werden kann.

In den letzten Jahren hat die Hypnotherapie (Hypnosetherapie) zur Behandlung chronischer Schmerzen in der Schmerzpsychologie an Bedeutung gewonnen und wurde mittlerweile in die interdisziplinäre Schmerztherapie integriert.

Hypnotherapie zur Schmerzkontrolle

Hypnotherapie zur Schmerzkontrolle ist eine psychotherapeutische Arbeitsweise, welche sich der Trance als Zugang zum Schmerz bedient. In der Trance können innere Kräfte zur Überwindung von Schmerzen gebündelt werden. Hypnotherapie (Hypnosetherapie) zur Schmerzkontrolle wirkt also darauf hin, Selbstheilungskräfte im Menschen zu aktivieren.

Zur Behandlung von Schmerzen kann in der Hypnotherapie (Hypnosetherapie) ein symptomorientiertes, ein problemorientiertes oder ein psychodynamisches Vorgehen gewählt werden.

Die Indikation für ein symptomorientiertes Vorgehen besteht bei

  • Akut-Schmerzen,
  • chronischen Schmerzpatienten, die noch keine Einsicht in psychosomatische Zusammenhänge erlangt haben,
  • sehr starken Schmerzen und
  • Schmerzen, bei denen psychosoziale Aspekte im Hinblick auf die Schmerzaufrechterhaltung keine Rolle spielen.

Die symptomorientierte Hypnotherapie (Hypnosetherapie) bedient sich assoziativer und dissoziativer Techniken (siehe unten).

→ Die Indikation für ein problemorientiertes Vorgehen besteht bei

  • chronischen Schmerzen,
  • der Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit auf Patientenseite und
  • Einsichtsfähigkeit in Bezug auf psychosomatische Zusammenhänge.

Die problemorientierte Hypnotherapie (Hypnosetherapie) bedient sich assoziativer und symbolischer Techniken (siehe unten) und erfordert eine intensive Schmerzanalyse hinsichtlich Genese, aufrechterhaltenden Bedingungen, des systemischen Kontextes usw.

→ Die Indikation für ein psychodynamisches Vorgehen besteht bei

  • Versagen von symptom- oder problemorientiertem Vorgehen und
  • bei lebensgeschichtlichen Zusammenhängen von psychischen Konflikten oder Traumata mit dem Schmerzsyndrom.

Die psychodynamische Hypnotherapie (Hypnosetherapie) bedient sich der Technik der Altersregression (siehe unten). Im Rahmen einer Hypnotherapie können verschiedene Techniken hypnotischer Schmerzkontrolle eingesetzt werden. Peter (2003) unterscheidet assoziative, dissoziative, symbolische und Techniken der hypnotischen Altersregression.

Hypnotherapie zur Schmerzkontrolle mit assoziativen Techniken:

Grundsätzliche Indikation:

  • Leichte bis mittelstarke Schmerzen (nicht bei Phantom- oder Krebsschmerzen)
  • Aktive Mitarbeit und hohe Motivation auf Patientenseite
  • Auch bei eher geringer Hypnotisierbarkeit
  • Unklare, wandernde oder nicht zu fassende Schmerzzustände

Assoziative Techniken sind auch unter der Bezeichnung „Schmerzfokussierung“ bekannt. Zunächst wird – auch ohne explizite Hypnoseinduktion – eine Schmerzgestalt konstruiert. Diese wird dann verändert.

Hypnotherapie zur Schmerzkontrolle mit dissoziativen Techniken:

Grundsätzliche Indikation:

  • Genügend Suggestibilität

Teilkörperdissoziationen in Form von körperlichen oder kinästhetischen Dissoziationen dienen dazu, den schmerzenden Teil vom Rest des Körpers abzuspalten. Beispiel: Handschuhanästhesie

Spezifische Indikation:

  • Schmerzen in den Extremitäten
  • Klar umgrenzten Schmerzen
  • Deutlich auf der Körperoberfläche lokalisierbare Schmerzen

Ganz-Körper-Dissoziationen in Raum und Zeit (Altersregression) dienen dazu, sich in großer räumlicher oder zeitlicher Distanz vom Schmerz mit einer anderen Wirklichkeit zu beschäftigen, die schmerzantagonistischen Charakter hat und lebensgeschichtlich bedeutsam ist. Sie sind besonders geeignet, den affektiven Schmerzanteil zu verändern.

Spezifische Indikation: Umfassende, z.B. im Kopf oder Rumpf lokalisierbare Schmerzen

→ Symptomsubstitution: Hypnotische Umwandlung des Schmerzes in stärker störende Empfindungen (z.B. starkes Jucken) und deren Modifikation in eine erträglichere Form oder ein erträglicheres Ausmaß.

→ Symptomverschiebung: Räumliche Veränderung des Schmerzes hinsichtlich Größe oder Position.

Sensorische Dissoziation: Suggestive Lenkung der Wahrnehmung in der Hypnotherapie (Hypnosetherapie), und zwar weg von der kinästhetischen zur visuellen oder akustischen Sinnesmodalität, d.h. den weniger affektiv getönten „Fernsinnen“.

Hypnotherapie zur Schmerzkontrolle mit symbolischen Techniken:

Hier wird versucht, aufbauend auf der durch assoziative Techniken konstruierten Schmerzgestalt, den Schmerzen eine sinnstiftende Bedeutung (Neuinterpretation) zu geben. Symbolische Techniken erfordern keine formale Hypnoseinduktion oder hohe Hypnotisierbarkeit, wohl aber eine ausreichende Imaginationsfähigkeit.

Die Schmerzgestalt soll z.B. über den auditiven oder visuellen Kanal mitteilen, welche Ursachen oder welche Bedeutung der Schmerz hat und welche Art von Behandlung Sinn machen könnte. Die Schmerzgestalt kann auch einer „alten, weisen Heilergestalt“ zu Füßen gelegt werden, mit der Bitte, etwas damit zu tun oder einen Rat zu geben. Kann keine Schmerzgestalt entwickelt werden, werden im Rahmen der Hypnotherapie entsprechende Vorschläge gemacht (z.B. „Wenn Sie sich eine Person vorstellen, die ähnliche Schmerzen hat wie Sie …“).

Hypnotherapie (Hypnosetherapie) zur Schmerzkontrolle mit altersregressiven Techniken:

Über hypnotische Altersregressionen können kritische, den Schmerz mitbedingende oder gar verursachende Situationen aufgefunden und aufgesucht werden. Entscheidend ist dann das Wiedererleben der kritischen Situation mit allen Sinnen. Eine Neukonstruktion der vergangenen kritischen Situation, z.B. durch das Einbringen inzwischen erworbener Ressourcen, kann zu einer bedeutenden Schmerzreduktion führen.

(Artikelbild dank AdobeStock & WavebreakMediaMicro)